When we dream, we enter a world that belongs to us entirely.
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Honig im Kopf "Plus"

 

Sämtliche Inhalte habe ich von den Audiokommentaren der Drehbuchautoren. Die Bilder sind von Facebook, filmstar.de und von der HiK-Homepage.

 

Erweiterter Inhalt und Hintergründe

 

Bei der Beerdigung seiner Ehefrau hält Amandus (Dieter Hallervorden) eine wunderliche Rede. Sein Sohn Niko (Til Schweiger) macht sich an dieser Stelle noch keine Sorgen und schiebt die Verwirrtheit seines Vaters auf die traurigen Umstände. Doch bald wird ihm klar, dass Amandus unmöglich alleine gelassen werden kann. Somit zieht Amandus ins Haus seines Sohnes. Dessen gestresste Frau Sarah (Jeanette Hain) ist wenig davon begeistert. Nur Tilda (Emma Schweiger) freut sich ihren Großvater um sich zu haben, da das Verhältnis ihrer Eltern nach beiderseitiger Untreue schwierig geworden war.

Amandus allerdings sorgt immer mehr für Chaos im Hause Rosenbach. Anfangs noch alles mit Humor zu nehmen, wird es nach und nach zu einer gefährlichen Angelegenheit. Sarah gehen Amandus‘ Ticks nach dem Einzug, wie das Schnalzen, auf die Nerven, doch sie beschäftigt sich erst wirklich mit ihn als er beinahe die Küche in Brand gesteckt und damit sich selbst in Gefahr gebracht hat.

 

Nachdem Amandus dann das Gartenfest sprengt, sehen Niko und Sarah keine andere Möglichkeit, als ihn in ein Heim zu bringen. Denn die Betreuung Alzheimer Erkrankter ist für deren Angehörigen eine große Belastung. Zumal, da das fast zum Ende der eh schon angeschlagenen Beziehung von Niko und Sarah führt.

Dennoch bricht für Tilda eine Welt zusammen. Sie hat von ihrem Kinderarzt erfahren, wie es um ihren geliebten Großvater steht und was sie tun kann, damit es ihm irgendwie besser geht. Tilda lebt uns vor, wie man auch in der Öffentlichkeit mit dementen Angehörigen umgeht. Deshalb kann sie nicht verstehen, warum ihr Opa „abgeschoben“ werden soll. Inspiriert von Amandus Geschichten will Tilda ihm noch eine letzte Aufgabe geben. Sie beschließt kurzerhand mit ihrem Großvater auf eine Reise nach Venedig aufzubrechen. Venedig ist die Stadt in der Amandus seine verstorbene Frau kennengelernt hatte.

 

Der Reiseverlauf, von Hamburg über Bozen (Südtirol) nach Venedig, nimmt für die elfjährige Tilda und dem dementen Amandus logisch abenteuerliche Züge an. Niko und Sarah sind den Reisenden aus Sorge schließlich bald auf den Fersen und finden so auch wieder zueinander.

 

Hintergründe zum Film

Rund 1,2 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Demenz. Rund 2/3 davon haben die etwas harmlosere Form Alzheimer. Dabei geht es nicht nur um den neurologischen (geistigen) Verfall, sondern auch um die motorischen Einschränkungen, die die Krankheit mit sich bringt. Auf diese Details geht der Film einfühlsam ein. Amandus hat zum Beispiel Schwierigkeiten ein Blattpapier vom Tisch zu nehmen oder bekommt die Bahnhofstoilette nicht auf. Nicht nur, dass er gewisse alltägliche Dinge vergisst, er befindet sich auch öfter in einer anderen Welt. Alzheimer-Patienten decken zum Beispiel für zwei Menschen den Tisch und „unterhalten“ sich mit ihren imaginären Gästen. Im Fall Amandus führt diese Handlung zum Brand in der Küche. Somit hat die Krankheit immer auch Auswirkungen auf das Umfeld des Kranken. Im Film fließen eigene Erfahrungen von den Autoren und Recherchefakten in die Handlung ein. Ebenfalls wurden Texthänger von Dieter Hallervorden in bestimmten Szenen nicht raus geschnitten, sondern bewusst drin gelassen.

Den Schnitt hat Til Schweiger oft direkt nach einem Drehtag gemacht. Zusammen mit Constantin von Seld hat er sich und seinem Team so manche extra Freizeit verschaffen können. 5 Wochen nach Drehschluss konnte Til Schweiger auf seiner privaten Sommerparty engsten Freunden „Honig im Kopf“ bereits zeigen. Insgesamt betrug die Drehzeit über 10 Wochen. Gedreht wurde unter anderem mit einer Drohne und einem Helikopter. Die Drohnentechnik verwandt man meist an um nah an den Personen zu sein. Für die Weitblicke und Luftszenen, in Südtirol und Venedig, wurden Helikopter angewendet.

Die Drehorte standen für Til Schweiger von Anfang an fest. Til war als Kind oft in und um Toblach und verbrachte seine Ferien in Südtirol. Er liebt diese Landschaft und macht auch heute noch Urlaub mit der Familie dort. Deshalb war es für ihn klar Toblach für den Reiseverlauf von Tilda und Amandus zu wählen.

Der alte Zug wurde aus Süditalien extra auf diese Strecke gebracht. Ein normaler ICE passte nicht zu den allgemeinen Szenenbildern und war auch nicht für das Equipment geeignet. Da im fahrenden Zug gedreht werden sollte, fuhr auch der reale alte Zug immer eine Stunde hin und her. Die Strecke wurde derweilen für den Personenverkehr eingestellt.

Das Haus der Familie Rosenbach fand Til Schweiger in Brandenburg. Allerdings war ein Holzhaus am See ausgedacht und das Objekt war leider aus Stein. Für die Bühnenbauer keine unlösbare Aufgabe. Sie verkleideten das Haus komplett aus Holz und bauten selbst die angrenzende Scheune „filmgerecht“ aus.

In Venedig wurden im Gegensatz zu allen anderen Drehorten überwiegend Montagebilder verwendet, aufgrund der vielen Touristen vor Ort. Einzig die Schlussszene auf der weißen Bank und Tildas Sprung aus dem Boot wurden „richtig“ gedreht. Dennoch erschwerten die italienischen Behörden und die Gondoliere die Dreharbeiten immer wieder.

Die Szenen am Strand wurden in Hamburg gedreht; der alten neuen Heimat von Til und Emma. Sie haben dort mit ihren Hunden am Elbstrand gespielt.

Für die ideale Rolle des Amandus musste Til Schweiger lange suchen. Als er Dieter Hallervorden in „Sein letztes Rennen“ sah, hatte seine Suche ein Ende. Dieter stand für Til als Amandus fest. Er selbst wollte vor seiner endgültigen Zusage Emma Schweiger, seine Filmenkelin, kennenlernen. Dieter hatte leichte Vorurteile, weil Emma vielleicht eine „verzogene Schauspielertochter“ sein könnte. Nach den ersten Proben und Settings hatten beide aber eine besondere Beziehung aufbauen können. Emma selbst wollte sich eigentlich aus der Schauspielerei zurückziehen, ähnlich wie es ihre Schwester Luna getan hat. Doch nach dem Lesen des Drehbuches wollte sie die Rolle der Tilda unbedingt spielen.

Neben den drei Hauptdarstellern sind zahlreiche andere bekannte deutsche Schauspieler im Film vertreten. Einige sind ehemalige Tatort-Kollegen von Til Schweiger und andere stammen aus der Barfoot Film – Familie. Jan Josef Liefers beispielsweise gehört zu seinen engen Freunden und war erstmals nach „Knocking on Heavens Door“ wieder mit Til vor der Kamera. Samuel Koch, der bei Wetten dass…? einen tragischen Unfall hatte und seitdem ab dem Hals gelähmt ist, erhielt einen Gastauftritt. Er wollte vor seinem Unfall Schauspieler werden und Til doubelte für die Rolle des Bahnhofsangestellten seine Hände. Mehmet Kotolus war Tils Tatort-Vorgänger und wurde wie alle anderen Nebendarsteller für den Film gecastet. Teilweise wurden auch Rollen auf Anfrage der Schauspieler ins Drehbuch geschrieben, da diese unbedingt einen Beitrag leisten wollten.

 

Die Dreharbeiten verliefen genauso emotional wie der Film an sich ist. Til ist schonungslos ehrlich und zeigt Szenen, die noch immer als Tabu gelten. Dieter Hallervorden wollte eine solche Szene nicht spielen, was schließlich zu Streitigkeiten hinter den Kulissen führte. Für den Film wurden diese Differenzen letztendlich beiseitegelegt.

Für die Filmmusik wählte Til laut eigener Aussage immer zwei Komponisten. Bei „Honig im Kopf“ waren es sogar drei. Martin Todsharow bringt mit seinen sanften Harmonien die wichtigsten Szenen auf emotionale Höhepunkte. Dirk Reichhardt und David Jürgens komplettieren mit ihrem Talenten das Trio.

Fazit

Der Zuschauer wird einfühlsam an das Thema Demenz/Alzheimer herangeführt. Man bekommt auf kindliche Art und Weise beschrieben, was Alzheimer ist und was mit den Patienten passiert. Auf teilweise komische Art und Weise erlebt man auch wie es den Angehörigen dabei geht. Die Schwiegertochter wirkt zu Anfang überfordert und kann über das teilweise lustige Verhalten ihres Schwiegervaters nicht lachen. Ein erwachsener alter Mann verwüstet ihren Garten, spielt „Mensch-Ärgere-Dich-Nicht“ nach seinen Regeln und benimmt sich ständig wie ein kleines Kind. Der Sohn hingegen flüchtet sich in seinen Job um der Wahrheit aus dem Weg zu gehen.

Man erlebt ebenfalls wie es für den Kranken selbst ist. Zu Beginn des Krankheitsverlaufs verstehen die Patienten noch, dass etwas nicht mit ihnen stimmt. Doch später vergessen sie auch dies. Amandus sagt im Film zu Tilda, dass es wie "Honig im Kopf" sei.

Diese Krankheit ist scheiße, für alle die damit zu tun haben. Ein gesellschaftliches Tabuthema, was nicht nur alte Menschen betrifft.

Til Schweiger gelingt es eine harmonische Balance zwischen den jeweiligen Emotionalitäten herzustellen. Eben noch laut gelacht, spürt man im nächsten Augenblick die Verzweiflung und Traurigkeit der Darsteller.

Da der Film so ehrlich und sensibel mit der Wahrheit umgeht, wirkt er unglaublich authentisch und überzeugend. Es werden Szenen gezeigt wie sie wirklich passieren, worüber wohl aber niemand öffentlich reden würden. Nichts wurde verschönt oder macht einen aufgesetzten oder gar gespielten Eindruck. Die Kulissen und die Panorama-Bilder sind genauso typisch für diesen Schweiger-Film wie ein Song von seiner Lieblingsband „One Republic“. Til Schweiger ist beim Filmthema „Familie“ zu Hause und das spürt man hier deutlich. Am Set wurde er von seiner Film-Familie auch liebevoll „Imperator“ genannt.

„Honig im Kopf“ wurde Til Schweigers bisher erfolgreichster Film. Fast 7 Millionen Zuschauerherzen erreichte er bis heute. Der 25.12.2014, also zur Weihnachtszeit, als Veröffentlichungsdatum, war dazu eine gelungene Werbemaßnahme. Zu Recht wurde er mit dem Bambi 2015 und dem deutschen Filmpreis 2015, der Goldenen Lola, ausgezeichnet. Was in Hollywood schon vor Jahrzehnten thematisiert wurde, wird nun auch jenseits des Atlantiks „enttabuisiert“. Und das von Einem, der niemals vergisst wo er her gekommen ist und dem emotionale traurige Szenen nicht liegen. Roland Emmerich wäre wahrscheinlich sehr beeindruckt.