When we dream, we enter a world that belongs to us entirely.
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Der Frosch-Prinz

Den Download findet ihr ganz unten.

Es ist ein goldener Oktobertag, viel zu warm für diese Jahreszeit, aber einfach zum Entspannen. Ich hatte mich recht früh aufgemacht, zu meinem Lieblingsplatz am See, um das so sonnige und warme Wetter voll auszunutzen. Ich hatte mich auf einer kleinen Bank direkt ans Wasser gesetzt, hatte mir ruhige Musik auf meine Kopfhörer gelegt und die Menschen um mich herum Menschen sein lassen. Meine Seele hatte völlige Ruhe und mein Geist konnte nach einer stressigen Woche endlich richtig abschalten.

Am Himmel sah ich einige bunte Heißluftballone und auf dem See tummelten sich ein paar Boote. Das Wasser war so ruhig, dass sich die Bäume am Ufer auf der Oberfläche leicht spiegelten. Im Hintergrund der Pianoklänge in meinem Ohr hörte ich Kinderlachen. Auf einer Schaukel stießen sich zwei Mädchen gegenseitig an. Es war fast schon ein perfekter Tag. Nur eines fehlte mir in meinem Herzen. Er fehlte.

 

Seit einer Woche hatte ich ihn nun nicht mehr gesehen, geschweige denn, dass ich was gehört oder eine Nachricht erhalten hatte. Nichts! Er war irgendwie verschwunden. Ich wusste zwar, dass er beruflich in New York war, aber er hätte sich schon mal melden können. Alleine nur um mir zu sagen, dass er gut angekommen war. Wenn sein Handy dort nicht ging, hätte er wenigstens anrufen können. Oder sonst aus irgendeinem Grund, hätte er sich einfach melden können. Ich war auf einer Seite besorgt und auf der anderen Seite doch auch etwas sauer. Auch wenn er mir ja keine Rechenschaft schuldig war... Ich hatte ihn irgendwie schon gern… Oder durfte ich so etwas nicht erwarten? Wir waren kein Paar, aber dennoch wollte ich, dass er sich bei mir meldet.

 

Wie der Zufall es so wollte vibriert mein Handy, gerade in dem Moment, wo ich die Gedanken an ihn aus meinem Kopf schütteln wollte. Dank der Kopfhörer brauchte ich nur auf den Lautstärkeregler tippen und das Gespräch wurde angenommen. „Hallo! Sophia hier!“

„Hey, meine Süße! Ich bin es!“

„Tom?“, fragte ich irritiert, da ich eigentlich mit einer anderen Stimme gerechnet hatte.

„Jap! Wie geht’s dir? Was machst du? Wo bist du?“

„Oh! Danke, gut geht es mir. Du hast mich in meiner Ruhe am See gestört!“

„Das tut mir leid!“, lachte Tom und ignorierte meinen leicht bösen Ton. „Wie lange bist du schon am See?“

„Noch nicht so lange. Wieso?“

„Dann komm ich dich jetzt dort besuchen?!“

„Äh… okay… Weißt du, wo du hin musst?“

„Wenn du da bist, wo du immer hin gehst, dann weiß ich es.“

„Okay! Ich beweg mich hier nicht weg.“

„Sehr gut!“, sagte Tom und legte prompt auf.

 

Ich seufzte innerlich kurz, schloss die Augen hinter der Sonnenbrille und vertrieb endgültig alle negativen Gedanken aus meinem Kopf. Ich freute mich auf Tom. Er war ein guter Freund, den ich sehr unregelmäßig traf, der mich aber mittlerweile in- und auswendig kannte. Ich konnte mir ihm über alles und jeden reden, genauso gut, wie ich mit ihm einfach nur schweigen konnte. Er kannte meine andere Seite. Die Seite, die verdorben, verspielt, sexy und wild war. Es war die Seite, die jeder Mann haben wollte, aber nicht jeder mit umgehen konnte. In der Vergangenheit war ich Männern begegnet, die diese Seite an mir kennengelernt hatte, sie dann entweder ständig ausgenutzt haben oder denen es einfach zu extrem war und sie den Rückzug eingeschlagen hatten. Bei Tom war das von Anfang an ganz anders. Er hat diese Seite nicht „erspürt“ – mit ihm war ich nicht im Bett gelandet. Tom kennt diese Seite an mir durch freizügiger Fotos und zweideutiger Nachrichten per Email oder Handy. So hatten wir uns auch kennengelernt. Anfänglich über harmlose Internetchats, über Emails und dann Kurznachrichten, bis sich herausstellte, dass wir in der gleichen Branche tätig sind und uns nur eine gute halbe Stunde voneinander trennten. Von da an trafen wir uns fast jedes Wochenende, wenn es sich beruflich ausging. Es kam aber auch schon mal vor, so wie jetzt, dass wir uns spontan wo trafen. Wir kannten uns über ein Jahr, aber es war einfach nur bei einer Freundschaft geblieben. Die reine Freundschaft tat mir auf merkwürdige Weise sehr gut und reichte mir bei ihm irgendwie aus. Sexuelle Anziehung gab es immer zwischen uns, aber es ergab sich einfach nicht. Selbst wenn ich Tom abends heiße Bilder von mir schickte und wir uns für den nächsten Abend verabredet hatten, kam es nicht dazu, dass wir übereinander hergefallen waren. Geknutscht haben wir schon, dennoch überwiegte die Vertrautheit oder die tiefe Verbundenheit die Lust völlig. Wir wollten es beide irgendwie dadurch nicht kaputt machen. Darüber hinaus hatte Tom, als wir uns kennenlernten, gerade eine Beziehung beendet und wollte nicht mit der nächstbesten Frau in die Kiste springen. So war er nicht. Zu Sex gehörte für ihn Vertrauen und das hat man bei einem One-Night-Stand bekanntlich nicht. Warum es jetzt, nachdem wir ja sehr vertraut miteinander sind, noch nicht zum Äußersten gekommen war, lag nur an der besonderen Freundschaft. So glaubte ich es zumindest. Wie genau Tom darüber dachte, wusste ich nicht. Vielleicht hat Tom aber auch erkannt, dass ich mich selber hinter diesen Bildern nur verstecke. Sobald mir ein Mann emotional zu nahe kommt, ziehe ich ihn auf die sexuelle Seite, weil er mir da nicht gefährlich werden konnte. Es war eine Art Selbstschutz und Tom ist ein Mann, der mit mir darüber redete und nicht darauf eingeht. Manchmal machte es mir eher Angst, dass er zu tief in mich hineinsehen konnte.

 

„Hey, Süße!“, sagte Tom, legte mir die Hände auf die Schultern und küsste mich auf die Wange. Mein Herz raste, leider aber nur, weil ich mich so erschrocken hatte. Ich hatte ja immer noch die Musik in meinen Ohren. „Hi! Aber erschreck mich doch nicht so.“

„Entschuldige. Ich dachte, du hättest mich gehört.“ Tom setzte sich rechts neben mich und tätschelte mir auf den Oberschenkel. „Was hörst du denn da?“

Ich machte Anstalten die Kopfhörer und das Handy weg zu packen, drückte dann aber wieder auf Play und gab ihm den linken Ohrstöpsel. Er lauschte, drehte sich dann zum See und lehnte sich zurück. „Dein Musikgeschmack ist sehr gut.“

„Ich weiß.“

„Wer ist das?“

„Äh… Bastille mit Skulls!“, antwortete ich, nicht ohne vorher aufs Handydisplay geschielt zu haben.

„Kenn ich gar nicht.“

„Hab ich auch mal irgendwo getagged. Ist vom Album. Kannte das auch vorher nicht.“

„Ist aber gut“, meinte Tom und nickte leicht im Takt. „Der See ist heute aber sehr ruhig.“

„Ja, total schön.“

 

„Was hat dich heut denn hierher getrieben?“, fragte Tom nach einem kurzen Moment des Schweigens, wobei meine Gedanken beinahe wieder zu ihm abgedriftet wären.

Ich zuckte nur mit den Schultern und meinte: „Eigentlich nichts Bestimmtes. Nur das schöne Wetter vielleicht. Die Woche war ziemlich anstrengend und ich wollte einfach etwas Ruhe.“

„Ah ja! Es hat aber nicht dieser Typ was damit zu tun oder?“

„Nein, quatsch!“

„Bestimmt nicht? Du kannst mir nichts vormachen… Du begibst dich normal nur an den See, wenn dich was bedrückt. Also, was ist los?“

„Nichts! Ehrlich nicht!“, murmelte ich und glaubte mir selber nicht so ganz. „Oh ja… In erster Linie bin ich wirklich wegen dem Wetter und der Ruhe hier.“

„Und weiter…“

„Ja, ich vermiss ihn irgendwie, auch wenn ich ihn gar nicht so wirklich kenne. Es war nett mit ihm zu schreiben und zu reden. Er war wirklich sehr interessant und ich hätte schon wirklich gerne mehr über ihn erfahren. Na ja, er ist jetzt weg und hat sich auch seit einer Woche nicht mehr gemeldet.“

„Ich habe dir schon mal gesagt, dass du den Typen abhaken sollst. Der hat es nicht ernst mit dir gemeint.“

„Ich weiß, ich weiß, aber du weißt auch, dass ich einen Menschen nicht so schnell aufgebe.“

„Ja, und das ist genau dein Problem.“

„Wie meinst du das jetzt?“

Tom gab mir den Ohrstöpsel wieder und ich stellte das Handy aus. Er drehte sich zu mir rüber, nahm seine Sonnenbrille ab und sah mich an. Meine Stimmfarbe hatte mich verraten und ich war froh, die Sonnenbrille auf der Nase zu haben.

„Schau! Dieser Kerl hat dich im Supermarkt angequatscht, hat sich am Abend sofort nochmal mit dir verabredet, ihr habt rumgemacht und dann hat er sich drei Tage nicht gemeldet. Angeblich weil er wieder beruflich unterwegs war. Dann…Unterbrich mich nicht!“, sagte Tom energisch, weil ich gerade Luft zum Protestieren holte. Tom hob kurz die Hand, ich atmete normal aus und er sprach schließlich weiter. „Also, dann trefft ihr euch wieder. Nachts. Für circa eine Stunde. Ihr schreibt euch die Woche über, wobei ich genau weiß, dass du mehr geschrieben hast als er. Er hat immer nur auf deine Fragen geantwortet, statt selber mal zu fragen oder auf irgendeine Art und Weise Interesse an dir zu bekunden. Reichen die Argumente oder soll ich weiter machen?“

Ich seufzte und gab nach. Tom hatte ja Recht, der Typ war wirklich nur auf das eine aus. Was schade war, denn ich hatte wirklich gehofft, der Typ wäre was für was Ernstes. „Nein, du hast ja Recht.“

„Also, Süße, dann halt dich auch nicht immer mit solchen Menschen auf. Es gibt Menschen und Männer, die es wesentlich ernster mit dir meinen können. Außerdem, wie lange kennst du den schon?“

„So drei bis vier Monate.“

„Meinst du nicht, dass du in der Zeit nicht mehr über ihn wissen solltest, als seine Telefonnummer oder die Anzahl seiner Zähne? Oder gar wie er küsst?“

„Ich weiß mehr über ihn!“, versuchte ich einzuwenden.

„So, was denn?“

„Na ja, er hat einen ziemlich anstrengend anspruchsvollen Job und…“

„Oh ja, sein Job… Als was genau? Was macht er nochmal?“, fragte Tom mit einem bitteren Unterton und ich wusste, dass er mich entlarvt hatte. Ich seufzte wieder, strich mir die Strähne aus dem Gesicht, nahm die Sonnenbrille ab und blickte wieder auf den See. „Du hast ja Recht, mit allem. Ich bin einfach so. Ich sehe trotz allem immer das Gute in einem Menschen. Es dauert halt bis ich das Schlechte sehe oder sehen will. Ich fall halt immer wieder darauf rein, dass Männer nur das zu einer Frau sagen, was sie hören muss, damit sie mit ihm ins Bett geht“, versuchte ich zu erklären, aber Tom kannte mich zu gut, als dass er das nicht schon längst gewusst hat.

Er rutschte etwas näher an mich ran und legte mir dann den Arm um die Schultern. „Ich schätze dein großes Herz sehr, aber es macht dich auch sehr verletzbar. Wie gut, dass du mich hast, der darauf aufpasst, dass dir keiner weh tut. Wer kann dich schon richtig vor einem Mann bewahren als ein Mann?! Außerdem wissen wir beide, dass du selbst diese Spielchen treibst, weil du weißt, dass der Typ nicht der richtig ist und er dir so nicht unter die Haut gehen kann. “

Ich sah ihn von der Seite an und sein hochnäsiges Grinsen zauberte auch in mein Gesicht ein Lächeln. Und zum ersten Mal seit langem spürte ich wieder dieses Kribbeln in meinem Bauch, welches sich über meine gesamte Haut ausbreitete.

 

Eine gute Freundin hatte mir mal gesagt, dass man auf das achten sollte, was genau vor einem liegt und dass man manchmal sein Glück auch direkt vor seiner Nase findet. Warum schossen mir genau in diesem Moment, in diesem Zusammenhang, ihre Worte wieder durch den Kopf? Ich musste dringend das Thema wechseln und die Stimmung heben. Verdammt aber auch.

„Warum bist du eigentlich hier? Hattest du nicht gesagt, dass du bei den Messevorbereitungen helfen musst?“

„M-hm!“, war alles was er antwortete.

„Das heißt?“

„Ja!“

„Ja, was?“, fragte ich genervt und stieß ihn mit der Schulter an.

„Hey! Kein Grund grob zu werden!“

„Dann antworte mir bitte anständig und provozier mich nicht schon wieder. Du weißt, ich hasse es, wenn man mir nicht vernünftig antwortet.“

„Es ist aber so leicht dich zu provozieren und macht so einen Spaß“, grinste er.

Ich sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an und schwieg. „Okay, okay!“, lachte er dann. „Die Messevorbereitungen sind soweit fertig. Na ja, oder vielmehr werde ich nicht mehr gebraucht. Und da ich eher frei hatte, dich sehen wollte und du hier bist, bin ich eben auch hierhergekommen.“

„Geht doch! War das jetzt so schwer?“, wollte ich wissen.

„Nein, aber es war nur halb so lustig“, grinste er wieder und stieß mich mit der Schulter an.

„Ich freu mich aber, dass du da bist. Ehrlich!“

„Ich weiß“, meinte Tom selbstgefällig und drückte mir einen Kuss auf die Wange.

 

Ich legte nach einer Weile meinen Kopf an seine Schulter und genoss die Stille und seine Gesellschaft. Er tat mir wirklich gut und als ich auf all meine Sinne achtete, wurde mir klar, dass Tom in allen Dingen perfekt für mich war. Okay, ich wusste zwar nicht, wie er im Bett sein würde, aber die sexuelle Spannung, die immer und überall präsent war, konnte nur Gutes verheißen. Sein Geruch berauschte mich jedes Mal wenn ich ihn traf, sein Auftreten und Strahlen blendete mich, seine Stimme und Worte waren Balsam für meine Seele und immer und überall hätte ich ihn anfassen können. Ja, ich vermisste nicht diesen komischen Kerl, nein, ich vermisste Tom. Und mit einem Schlag kam die Erkenntnis. Ich hatte mich in Tom verliebt. Oder liebte ich ihn nur wie einen Bruder? Doch spricht man so mit seinem Bruder? Erzählt man seinem Bruder intimste Geheimnisse oder sexuelle Vorlieben? Wohl kaum! Vielleicht war es aber auch nur die Sehnsucht nach jemandem, der einen manchmal einfach nur in den Arm nahm. Nein, es musste einfach mehr sein. Was genau, konnte ich irgendwie in dem Moment nicht definieren. „Konnte nicht mehr zwischen uns sein?“

„Was?“

Ich schlug mir die Hand vor den Mund. Oh Gott, ich hatte das wirklich gerade laut gesagt. Wie sollte ich da jetzt wieder raus kommen? Himmel, ich bring mich aber auch in Situationen. Dämliche Gefühle aber auch. Machten alles nur komplizierter und verwirrender.

„Nichts“, murmelte ich und hätte mich am liebsten unsichtbar gemacht.

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit sagte er dann: „Es kann nicht mehr sein, da uns beiden unsere Freundschaft sehr wichtig ist.“

Scheiße, ich verfluchte mein loses Mundwerk.

Tom hatte Recht, aber aus irgendeinem absurden Grund wollte ich es jetzt genauer wissen. „Das stimmt. Aber was wäre so falsch daran? Ist es so schlimm wenn man mehr möchte?“

„Wow! Heute hast du aber deinen ernsten, was?!“

„Lenk nicht ab.“

„Entschuldige bitte… Nun, nein, es ist niemals falsch mehr zu wollen. Aber willst du es wirklich riskieren, dass vielleicht, wenn es nicht funktioniert, auch die Freundschaft kaputt geht? Wir wissen beide, dass es fast unmöglich ist, dass man Freunde bleibt, wenn man die Beziehung beendet hat. Es stehen dann einfach zu viele Dinge zwischen einem.“

„Mag sein, aber es muss doch gar nicht so kommen. Wie kann man denn von dem Beziehungsende sprechen, wenn man gar keine Beziehung hatte? Du kannst doch im Vorfeld nicht sagen, wie es nachher sein wird.“

„Stimmt“, war erst mal alles von Tom und seine auftretende Anspannung entging mir keineswegs.

„Mir liegt das was wir haben sehr am Herzen, ich bin gern mit dir zusammen und ich bin bei dir die, die ich halt eben bin. Ich bin ich selbst und fühl mich erst mit dir irgendwie komplett. Schon klar, dass ich das auf gar keinen Fall verlieren möchte. Ich glaube dennoch, dass man etwas riskieren muss um sich ganz sicher zu sein.“

„Das Risiko, dass man verletzt wird ist dabei aber sehr hoch.“

„Da habe ich es ja gut, dass ich dich habe, der auf mich aufpasst“, scherzte ich.

„Sehr witzig. Aber ja, dass sagte ich ja eben.“

„Sag mal ehrlich, willst du es nicht auch wissen?“

Ich musste wieder feststellen, dass mein Mund schneller war als mein Hirn. Ich richtete mich auf und sah ihn an, obwohl ich gleichzeitig im Erdboden versinken wollte. Wollte ich es denn wirklich wissen? Wollte ich wirklich wissen, wie es mit Tom wäre? Himmel, hatte ich heute irgendwas in meinem Getränk?!

 

Tom sah mich sehr lange schweigend an. In mir stieg eine verlegene Hitze auf und mein Hals wurde trocken. Sein Blick begann zu brennen. Ich versuchte ihm standzuhalten, musste dann aber doch weg sehen, weil ich befürchtete, Tom könnte meine Gedanken lesen. Zu meiner Überraschung tat er auch genau das.

„Willst du das wirklich wissen?“

Ich nickte und wäre doch gern weg gerannt. Seine Nähe und seine Augen lähmten mich.

„Ok“, sagte er, schaute kurze nach unten und sah mich dann mit einem zuckersüßen Lächeln an. Sein Gesicht, seine Augen hatten sich verändert und es gefiel mir. Sämtliche Alarmglocken in meinem Kopf sprangen an. Ich war doch zu weit gegangen. Er wirkte zu freundlich und in mir schrie alles, dass ich rennen sollte.

Dann kam sein Gesicht näher und er legte eine Hand an meine linke Wange. Ich bemerkte, wie mein Herz wieder schneller zu schlagen begann, er es aber mit seinen sanften Augen wieder zu beruhigen versuchte. Als sich seine weichen Lippen auf meine legten und ich seinen Blick verlor, schien die Welt stehen zu bleiben. Ich hatte eine Gänsehaut nach der anderen und spürte die elektrischen Funken auf meinen Lippen. Mein vegetatives Nervensystem war ausgeschaltet. Dieser Kuss war einfach so warm und fühlte sich so richtig an. Niemals sollte er aufhören. Tom vergrub seine Hand in meinem Nacken und in meinem Haar, drückte mich sanft näher an sich, öffnete leicht seinen Mund und fuhr dann mit seiner Zunge über meine Lippen. Ich schwebte und gab mich dem Rausch völlig hin. Meine Hand auf seiner Brust krallte sich an seinem T-Shirt fest. Ich musste mich etwas aufrichten, um mich so daran zu erinnern, weiter zu atmen, doch im Grunde war jede Bewegung zu viel. Er machte süchtig. Ich konnte von seinen süßen Lippen nicht genug bekommen. Doch so befreiend dieser Kuss auch war, es bedeutete auch, dass wir beide ein Risiko eingingen. Bei diesem Gedanken löste sich Tom von mir. Er legte seine Stirn an meine, berührte wieder mein Gesicht und ich hörte deutlich seinen Seufzer. Er hielt mein Gesicht in seinen Händen und sich selbst wahrscheinlich dicht bei mir.

„Was machst du nur mit mir?“

„Gar nichts.“

„Ach ja, wie immer bist du unschuldig.“

„Du hast mich doch jetzt geküsst. Nicht ich dich.“

„Ja, das habe ich… und ich würde es gern wieder tun“, flüsterte er und legte seine Lippen wieder auf meine. Himmel, wie ich ihn wollte…

 

Nach einem weiteren nicht-enden-wollenden Kuss siegte die Vernunft wieder und wir lösten uns. Ich murmelte ein „Verdammt“ und drehte mich wieder zum See. Er ließ seinen Arm um meine Schultern und ich lehnte mich dann halb an seine Brust. Der Moment war einfach perfekt. Nein, alles war einfach perfekt und ich bekam leicht Angst. Angst, das alles zu verlieren. Ihn zu verlieren, nur weil ich so egoistisch war und mehr von ihm wollte. Was wäre wenn er Recht behielt und eine Freundschaft wertvoller war, als eine Beziehung? Was, wenn das alles war, was uns blieb? Ich wollte das alles nicht denken, aber ich machte mir ständig solche Gedanken und es nervte mich selber. Ich folgte meinem verstörten dummen Herz und blieb mir so treu.

„Ich weiß nicht wieso, aber ich will das, Tom.“ Er schwieg und deshalb sprach ich weiter. „Ich hab aber auch Angst. Wenn ich ehrlich zu mir bin, dann muss ich sagen, dass ich nur an dir ernsthaftes Interesse habe. Es zieht und zog mich immer nur zu dir. Du gibst mir das was ich brauche und du kennst mich so wie ich wirklich bin. Es gibt keine Spielchen, wir sind immer ehrlich miteinander umgegangen und ich hab Sehnsucht nach dir, wenn du nicht da bist.“

„Eben hast du aber noch diesem Typen hinterher geheult?!“

„Da war mir aber noch nicht klar, was ich wirklich empfinde.“ Ich richtete mich wieder auf, um meinen folgenden Worten den richtigen Ausdruck vermitteln zu können und blickte in seine Augen. „Versteh mich bitte. Ich sage das nicht aus einer Laune heraus, sondern weil ich es wirklich so meine und fühle. Du hast mir mal von diesen Momenten erzählt, wo man einfach weiß, dass das was man tut genau richtig ist. Und genau diesen Moment hatte ich eben. Du weißt, dass ich immer meinem Herzen folge und ich habe jetzt den Weg gesehen und verstanden, den es mir gezeigt hat.“

„So ganz plötzlich hattest du diese Einsicht?“, fragte Tom und klang dabei etwas vorwurfsvoll.

„Ja… äh… nein… Doch! Also, die Einsicht kam vielleicht gerade, aber im Herzen habe ich es irgendwie immer schon gewusst.“

„Ah-ha!“, grinste er und ich gab auf.

Es war mir irgendwie zu blöd, mich für etwas rechtfertigen zu müssen, wofür es sich nicht rechtzufertigen gab. Ich musste ihn nicht von mir überzeugen oder ihn zu einer Beziehung überreden. Wenn er es genauso wollte wie ich, - und ich war mir irgendwie ziemlich sicher, dass er es auch wollte -, dann musste auch er nur seinem Herzen folgen und etwas riskieren. Tom war eh eigentlich der Typ Mann, der nicht lange fackelte und sich nahm was er wollte. Seine Zurückhaltung verwirrte mich ein wenig. Ich ließ mich wortlos neben ihm zurück fallen, verschränkte die Arme vor der Brust und starrte auf das Wasser.

 

 

Fortsetzung im PDF

Der Frosch-Prinz
Eine erotische Liebesgeschichte, die in einem Spar und im Hotel ihren Anfang findet... Oder vielleicht begann es ja schon früher...
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